Was bedeutet Abstinenz konkret?
„Sie müssen abstinent leben.“ Dieser Satz wirft oft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Geht es um Alkohol, um bestimmte Drogen oder um beides? Und ab wann lässt sich der Verzicht belegen?

Kurz erklärt
Abstinenz bedeutet, auf die betreffende Substanz zu verzichten. Weniger zu konsumieren ist nicht dasselbe. Ein Abstinenznachweis ist zusätzlich die fachgerecht organisierte Dokumentation dieses Verzichts. Ob Sie für Ihre MPU einen solchen Nachweis benötigen, muss für Ihren Fall geklärt werden.
Abstinent wovon? Den Auftrag genau verstehen
Bei einem Alkohol-Abstinenzprogramm geht es um den Verzicht auf Alkohol. Ein Drogennachweis untersucht dagegen die vereinbarten Stoffgruppen. „Ich nehme nichts mehr“ und „Im Labor wird alles untersucht“ sind deshalb zwei unterschiedliche Aussagen. Lassen Sie vor dem Start festhalten, welche Substanzen Ihr Programm abdeckt. Verschweigen Sie dabei auch Medikamente nicht.
Verordnete Arzneimittel sollten Sie nicht eigenständig absetzen. Besprechen Sie mit der behandelnden Praxis und der zuständigen Nachweisstelle, wie Ihre Behandlung berücksichtigt und dokumentiert wird. Eine Internetliste kann diese Abstimmung nicht ersetzen.
Eine Pause ist noch kein langfristiger Plan
Eine Trinkpause hat meist einen festgelegten Endpunkt. Wer dauerhaft abstinent leben möchte oder muss, braucht darüber hinaus Antworten für den Alltag: Was trinken Sie beim Essen mit Freunden? Wie reagieren Sie auf ein angebotenes Glas? Wen rufen Sie an, wenn der Wunsch nach Konsum stark wird? Eine kurze Antwort wie „Ich trinke heute keinen Alkohol“ genügt im Alltag; Sie schulden Ihrem Umfeld keine ausführliche Rechtfertigung.
Überlegen Sie sich zwei oder drei Situationen, die für Sie schwierig werden könnten. Notieren Sie daneben eine konkrete Alternative: eine andere Heimfahrt, eine Verabredung ohne Alkohol oder eine erreichbare Vertrauensperson. Das ist hilfreicher als der bloße Vorsatz, künftig immer standhaft zu sein.
Abstinent leben und Abstinenz belegen
Ein eigener Kalender kann helfen, Entwicklungen und schwierige Situationen festzuhalten. Er ersetzt jedoch keine anerkennungsfähige Labordokumentation. Dafür müssen unter anderem Verfahren, Entnahme und Zeitraum zusammenpassen. TÜV NORD: Abstinenznachweise Beginnen Sie die Organisation deshalb nicht erst kurz vor der MPU. Unser Beitrag Was zählt als Abstinenznachweis? erklärt die ersten Entscheidungen.
Wenn der Verzicht schwerfällt
Unterstützung ist kein Zeichen dafür, dass Sie es „nicht ernst meinen“. Eine Suchtberatungsstelle oder ärztliche Praxis kann helfen, den nächsten Schritt zu planen. Bei einer möglichen Alkoholabhängigkeit sollte auch das Aufhören medizinisch besprochen werden: Ein Entzug kann behandlungsbedürftig sein. Die Gesundheitsinformationen des IQWiG beschreiben die verschiedenen Behandlungsbausteine. IQWiG: Alkohol und Behandlung einer Abhängigkeit
Für akute schwierige Alltagssituationen finden Sie im Beitrag Suchtdruck: Was jetzt helfen kann einen eigenen Einstieg. Für die organisatorische Planung vergleichen Sie anschließend die verfügbaren Haaranalysen und Urinkontrollen.
Quellen und Einordnung
Redaktionell erstellte Orientierung von Abstinenzcheck. Die verlinkten Fachinformationen wurden für diesen Beitrag herangezogen. Keine individuelle medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung.
Die Regeln Ihres konkreten Programms und die fachliche Einzelfallbewertung bleiben maßgeblich. Anbieter und Kontakt.


